Interview de Nicolas Schmit avec le Lëtzebuerger Journal

"Wir haben(...)ziemlich viel nachgeholt"

Interview: Lëtzebuerger Journal

Lëtzebuerger Journal: Was versteht man unter "Economie sociale et solidaire"?

Nicolas Schmit: Das ist nicht die einfachste Frage. Darüber scheiden sich die Geister in Europa. Für mich ist das ein relativ großer und weiter Begriff, wichtig ist aber, dass irgendwie das Soziale stimmt, aber das Ökonomische muss auch irgendwo stehen. Es kann nicht sein, dass es nur die soziale Finalität gibt, und dass immer ein Drittzahler dahintersteht. Es muss auch eine gewisse ökonomische Rationalität haben, um als "Ökonomie" - es heißt ja "Economie sociale et solidaire" - angesehen werden zu können.

Lëtzebuerger Journal: Auf Luxemburg bezogen: wie sehen Sie ihren Auftrag, und warum ist er wichtig?

Nicolas Schmit: Er ist aus verschiedenen Ursachen wichtig. Erstens, weil unsere Ökonomie sich in einem solchen Transformationsprozess befindet, dass wir auch ein Standbein brauchen, das sich die soziale Finalität im weitesten Sinne auf die Fahne schreibt. Das gehört auch zur Diversifikation unserer Wirtschaft, weil es einen starken sozialen Bedarf gibt, der nicht mehr unbedingt ganz von der öffentlichen Hand abgedeckt wird. Zweitens haben wir ein Problem: wie können wir jedem eine Arbeit geben? Besonders mit der technologischen Revolution, die das nicht vereinfacht, brauchen wir Aktivitäten, die vielleicht nicht von größter Rentabilität sind, die aber Leute beschäftigen und gleichzeitig einem Bedarf entsprechen. Wenn wir unsere Gesellschaft also kohäsiv halten wollen, dann brauchen wir eine Sozialwirtschaft, die etwas anders aufgestellt ist, die aber auch Wirtschaft ist, die Innovation mit sich bringt und die eben auch auf diesen Bedarf eingeht, und das ist dann der Auftrag: wie können wir einen Umfeld schaffen, in dem sich eine solche Wirtschaft entwickeln kann, ohne eine unfaire Konkurrenz für die normale Wirtschaft darzustellen?

Lëtzebuerger Journal: Was waren die Ziele der neuen Regierung 2013?

Nicolas Schmit: Die Ziele von 2013 waren es, einen neuen Schwung zu schaffen, besonders indem wir das Gesetzesprojekt zu der Société d'lmpact Social" in den sicheren Hafen bringen. Es ist schon relativ lange an diesem Projekt gewerkelt worden wir haben eine Wahl getroffen. Wir haben das Projekt zu Ende gebracht, wir haben es auf den Instanzenweg gegeben. Das liegt jetzt beim Staatsrat und ich hoffe, dass wir es dann stimmen und dadurch dem Sektor einen neuen Impuls geben können. Zudem wollen wir eine Umgebung schaffen, in der das soziale Unternehmertum hier in Luxemburg ermutigt und gefördert wird.

Lëtzebuerger Journal: Was verändert das Gesetzesprojekt konkret für den Sektor?

Nicolas Schmit: Wir haben aktuell eine Situation, in der wir nicht sehr viele Möglichkeiten haben, juristisch gesehen, den Spezifitäten einer Société d'lmpact Social" Rechnung zu tragen. So wird zum Beispiel der Status einer Vereinigung ohne Gewinnzweck der ökonomischen Seite eines solchen Unternehmens nicht gerecht. Das Projekt erlaubt also diesen Unternehmen sich besser zu situieren, auch im Vergleich zu der Privatwirtschaft. Das heißt natürlich auch, dass die Unternehmen wirtschaftlich funktionsfähig sein müssen.

Lëtzebuerger Journal: Wo sehen Sie noch Aufholbedarf?

Nicolas Schmit: Ein Punkt, an dem wir noch arbeiten müssen, ist die Sensibilisierung und die Bekanntmachung. Viele Leute wissen nicht genau, um was es sich handelt. Ein zweiter Punkt ist der, den Personen, die in diesem Bereich tätig werden wollen, die nötigen Kompetenzen zu verschaffen, um wirtschaftlich handeln zu können. Dazu brauchen wir eine Betreuung, wir brauchen eine Beratung, weil wir im Endeffekt Unternehmen haben wollen, die überlebensfähig sind. Ein dritter Punkt ist, wie überall in der Wirtschaft, die Finanzierung. Wir brauchen Investoren, die nicht nur nach der höchsten Rendite schauen, sondern vielleicht nach einer gewissen Sicherheit. Außerdem ist es auch eine Frage vom Image.

Lëtzebuerger Journal: Wie steht die luxemburgische Gesetzgebung im europäischen Vergleich dar?

Nicolas Schmit: Wenn wir jetzt das neue Gesetz haben, wenn wir neue Finanzinstrumente haben, wenn wir in Differdingen den Inkubator aufmachen, wo junge oder weniger junge Leute eine Initiative auf die Beine stellen können, ihr eigenes Unternehmen im Bereich der Solidarwirtschaft gründen können, dann würde ich sagen, dass wir ziemlich gut dastehen. Wir haben da schon ziemlich viel nachgeholt.

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